Schlossturm
Neben dem Dach befindet sich ein in das Gebäude integrierter Turmanbau von ca. 22 m Höhe und einer Kantenlänge von ca.
4,5 x 4,5 m. Der Turmschaft ist noch im Originalzustand erhalten.
Mitte der sechziger Jahre wurde jedoch die Turmhaube gänzlich entfernt.
In einer Maßnahme soll nunmehr die Turmhaube sowie das daran angrenzende Dach wieder errichtet bzw. erneuert werden. Ziel ist es - neben der Wiedererstellung des historischen Bildes - auch die Dachentwässerung neu zu ordnen, um zu verhindern, dass der Wassereintritt über das heutige Flachdach des Turmes noch stärker zunimmt und den angrenzenden historischen Wappensaal weiter in Mitleidenschaft zieht. Im Wappensaal sind im oberen Holzbereich schon Durchfeuchtungsstellen aufgetreten, die derzeit nur notdürftig eingedämmt werden konnten, weil die Gesamtentwässerung in dem Bereich durch die fehlende Turmhaube nicht funktionsgerecht erfolgen kann.
Der in Melkof aufgefundene Turmschaft ist im Vergleich zu dem Turm des öffentlich genutzten und sehr stark repräsentativen Zwecken der Ritterschaft dienenden Turmbaus in Rostock vereinfacht. Die Gleichartigkeit beider Türme ist jedoch gut zu erkennen.

Turmspitze des
Ständehauses in Rostock

Turmhaube des
Ständehauses in Rostock

Turm ohne Haube, Schloß Melkof
Vermutlich diente der Turm des 1888 erbauten Schlosses Melkof als Vorlage für den am Ständehaus in Rostock (heutiges Oberlandesgericht) 1889 erbauten und schon 1888 geplanten Turm des gleichen Baumeisters.
Insoweit wird auch die Turmhaube im Vergleich zur heutigen Ausführung des Ständehauses vereinfacht gewesen sein. So sind in Melkof
auf dem restlichen Gebäude nicht die stark ausgebildeten Gratspitzen zu erkennen, wie sie charakteristisch für das Ständehaus sind.
In einem zeichnerischen Entwurf des Ständehauses von 1888 (gleichzeitig mit dem Bauabschluss von Schloss Melkof) ist zu erkennen, dass die
kleineren Zwerchhäuser, die sich heute im Turm und im gesamten Dachbereich des Ständehauses befinden, noch nicht vorhanden waren. Die
jeweils doppelt an den Seiten angeordneten und in einem Band umlaufend lediglich angedeuteten Gauben sind aber sehr wohl schon deutlich zu
erkennen. Diese sind auch in der Zeichnung schon mit kleineren Wasserspeiern versehen, die einer besseren Entwässerung des Daches dienen.
Es ist daher anzunehmen, dass diese Elemente sich auch schon an dem Turm von Schloss Melkof befunden haben und dieser das Vorbild für die
Zeichnung und dann auch spätere Ausführung der Türme des Ständehauses war.

Die Turmhaube in Melkof wird zwischen 10 und 11 m an Höhe inne gehabt haben und durch einen runden aufgesetzten Baluster mit einem
Wetterhahn analog den Balustern auf den anderen Gebäudeteilen ihren Abschluss gefunden haben, so dass die Gesamthöhe des Turmes zwischen
32 und 35 m gewesen sein könnte.
An den jeweiligen Turmecken am Ende der Grate werden ebenfalls Wasserspeier für eine zusätzliche Entwässerung des Turmes gesorgt
haben.
Bei der Dacheindeckung handelte es sich ebenfalls um 5 rilligen sächsischen blau-schwarzanthraziet engobierten Turmbieber.
Innerhalb des Turmes war früher eine Wendeltreppe untergebracht, die als Dienstbotengang die Etagen miteinander verbunden hat. Heute ist dort ein moderner Bettenaufzug untergebracht, der in den 70er Jahren eingebaut wurde und die alte Wendeltreppe verdrängt hat.
Technische Gestaltung: Michael Giebel EDV Webdesign: Carmen Walkenhorst Impressum