Werdegang und Historische Bedeutung:
In Mitten des auf das Jahr 1471 zurückgehenden Lehens wurde schon frühzeitig ein großes Gutshaus mit Gutshof von der Familie
von Pentz errichtet, die dieses Gutshaus in der Zeit Schloss Melkof 1888 Darstellung Schloss Melkof Seite 2 10.07.2006 von 1790 bis ca. 1819
(genaues Datum nicht bekannt) zu einem klassizistischen Herrenhaus umbaute.

Als Architekt des klassizistischen Vorgängerbaus wird der in weiten Teilen West-Mecklenburgs agierende Architekt Lillie vermutet.
1803 war der Legationsrat Carl Friedrich Wilhelm von Pentz Eigentümer des Gutes.
Im Jahre 1819 wurde das Herrenhaus an die hannoveraner Familie von der Deeken verkauft. Julius von der Deeken verstarb 1868. Seine Witwe war
Anna-Hedwig von der Deeken, geb. Kleist aus dem Hause Zülgen in der Nieder-Lausitz. Die Kinder hießen Adeline (*1857) und Charlotte
(*1863). Adeline von der Deeken wurde Fideikomissherrin auf Schloss Melkof, wo sie 1875 den herzöglich preusischen Kammerherren Conrad
Graf von Kanitz geheiratet hat. Nach dieser Heirat wurde das Herrenhaus von dem Baumeister Ludwig Möckel zum derzeitigen
Schlossgebäude im Jahre 1888 umgebaut.
Bei dem Baukörper des Schlosses handelt es sich um einen qualitätsvollen, sehr repräsentativen und zeittypischen Gutshausbau
aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Charakteristisch für den Bau ist, dass - entgegen vieler sonstiger Bauten aus dieser Zeit - die
Außenfassade ausschließlich mit kleinen Quartiersteinen vermauert ist, was dem gesamten Bau trotz der Größe eine
optische Kompaktheit verleiht. Eine Besonderheit stellt die gotisierende Backsteinarchitektur dar, die im Kontrast zu den Formen steht, die der
Renessance entlehnt sind. Trotz einiger Rückbauten - insbesondere im Bereich der ehemals geschwungenen und nicht mehr vorhandenen 5
Zwerghäuser (straßenseitig 2 große / parkseitig 3 kleinere) - ist das Gebäude in einem guten originalen
Überlieferungszustand und weist daher ein hohes Maß an Autentizität auf. Durch die im Außenbereich zu DDR-Zeiten
vorgenommenen Rückbauten wirkt der ursprünglich vielteilig gegliederte Baukörper nun blockhaft und weniger qualitätsvoll
als es das Original war. Die ursprüngliche kleinteilige Gliederung ist ein typisches Charakteristikum der Möckelschen Architektur.
Eine Rekonstruktion eben jener Elemente auch unter besonderer Einbeziehung des ehemaligen Darstellung Schloss Melkof Seite 3 10.07.2006
Schlossturmes ist für die Wiedererstellung des Gebäudes sehr wesentlich und stellte eine große Herausforderung an die derzeitige
Eigentümerin und Bauherrin dar.
Die historische und kulturelle Bedeutung des Bauwerkes leitet sich jedoch nicht nur aus seiner Größe sondern auch dadurch ab, dass
sich im Schloss Melkof viele Stilelemente wiederfinden, die der für Norddeutschland sehr bedeutende Bauherr Möckel entweder schon
zuvor an anderen wichtigen Bauten eingesetzt hatte oder später bei anderen Bauten umsetzte. So errichtete Möckel in der Zeit von
1885-1886 das Jagdschloss des Großherzogs Friedrich Franz III und seiner zur russischen Zarenfamilie gehörenden Ehefrau, der
Großherzogin Ansatasia Michailowna, in Gelbensande. Viele dort verwandte Stilelemente finden sich ebenfalls in Melkof wieder. Zudem
könnte der Turm in Melkof Vorlage für die Türme des Ständehauses in Rostock gewesen sein. Der von Möckel zuvor bei
Schloss Melkof errichtete, in das Gebäude integrierte Turm hat exakt die gleichen Abmessungen wie die beiden im Ständehaus eingesetzten
Turmbauten. Die ersten Zeichnungen des Ständehauses in Rostock 1888 zeigen einen Turmbau, der dem in Melkof entsprechen könnte, da
die Fertigstellung von Schloss Melkof in das gleiche Jahr wie die Anfertigung der ersten Zeichnungen für das Ständehaus fällt.
Die Ausgestaltung der Türme im Ständehaus ist allerdings etwas prunkvoller, was letztendlich auch mit den eingesetzten finanziellen
Mitteln zusammenhängen könnte. Der Turm von Schloss Melkof war damit die Vorlage der von Möckel im Ständehaus
eingebrachten Turmbauten.
Wie genau Möckel zu dem Auftrag der Grafen von Kanitz gekommen ist, ist nicht überliefert. Möckel baute zu seiner mecklenburger
Zeit eigentlich keine Profanbauten mehr, sondern konzentrierte sich im Wesentlichen auf die Bauten für die großherzögliche
Familie sowie öffentliche Bauten und die Restaurierung des Münsters in Bad Doberan. Da Möckel jedoch einer der bevorzugten
Baumeister der damaligen Herzogsfamilie war und die Beziehungen des preusischen Grafen von Kanitz zur Herzogsfamilie ausgesprochen gut waren,
ist zu vermuten, dass es der persönlichen Intervention des Großherzogs zu verdanken ist, dass Möckel zu dem Bau veranlasst wurde.
Nach Recherchen des Landesamtes für Denkmalpflege ist Schloss Melkof damit auch der einzige von Möckel in Mecklenburg errichtete
Gutshausbau.
Das Gut blieb bis zu seiner Enteignung 1946 im Besitz der Familie von Kanitz. Danach wurde es zu DDR-Zeiten als Kreisfeierabendheim genutzt.
Die Nutzung als Seniorenheim wurde durch den damaligen Rechtsnachfolger, den Landkreis Ludwigslust, bis 1996 fortgeführt. Für
ein Jahr wurde das Haus als Unterbringungsmöglichkeit für suchtkranke Frauen und danach im Saisonbetrieb als Unterbringung für
Spargelhelfer durch den Landkreis genutzt.
Im Jahre 2003 erwarb die derzeitige Inhaberin das Schloss mit dem Ziel, es im Laufe der Jahre wieder in den Zustand zu versetzen, in dem es im
Jahre 1888 war.
Mittlerweile sind die DDR-zeitlichen Einbauten im Innenbereich größtenteils zurückgebaut und auch das Große Kaminzimmer, das Vestibül und der Gartensaal sind in ihren fast ursprünglichen Zustand zurückversetzt worden. Im Kaminzimmer wurde u.a. der historische Kamin wieder aufgebaut, der allerdings schon in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts einem damaligen modernen Kaminvorbau weichen musste. Auch ist in diesem Raum die ebenfalls in den 20er Jahren eingezogene Zwischendecke entfernt worden, so dass die von Möckel konzipierten und heute neu restaurierten hannöverschen Bögen gut sichtbar zur Geltung kommen. Weiterhin wurde auf dem parkseitig gelegenen Westflügel die DDR - zeitliche Dachdeckung ausgetauscht und eine dem Original entsprechende Biberschwanzdeckung aufgebracht.

Schloss Melkof bildet zusammen mit dem weiträumigen Landschaftspark, der nördlich gelegenen Kirche sowie dem Verwalterhaus und den noch erhaltenen Ställen ein bauliches Ensemble, das den Mittelpunkt des Dorfes und des ehemaligen großen Gutes darstellt.
Das Schloss in Melkof ist aber nicht nur ein herausragendes Zeitzeugnis der Ortsgeschichte von Melkof, sondern wegen seiner Größe und dem bekannten Baumeister Möckel ragt seine Bedeutung weit über den Bereich Melkof und den Landkreis Ludwigslust hinaus und prägte die Gutshauslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Mit seinen fast 5.000 qm Nutzfläche stellt Schloss Melkof eines der größten Gründerzeitschlösser in Mecklenburg-Vorpommern, wenn nicht in ganz Norddeutschland dar.
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